Veranstaltungen

IT-Empfehlungen gemeinsam formulieren

Experten-Workshop vom 27.10.–28.10.2016

Motivation

IANUS gibt als nationales Forschungsdatenzentrum für die Archäologien und Altertumswissenschaften die IT-Empfehlungen für den nachhaltigen Umgang mit digitalen Daten in den Altertumswissenschaften heraus. Dabei handelt es sich um eine Online-Plattform, in der für die gesamte Fachcommunity technische Informationen zu digitalen Daten zusammengefasst und konkrete Hinweise im Sinne von Best-Practices gegeben werden. Dieses Angebot von IANUS versucht auf die wichtigsten Fragen zum richtigen Umgang mit digitalen Daten zu antworten und sowohl für IT-Laien als auch IT-Fachleute eine Hilfe anzubieten.

Während viele Inhalte zu Datenformaten bereits existieren und abgerufen werden können, gibt es einige Kapitel zu Forschungsmethoden, die bislang noch fehlen. Aus diesem Grund veranstaltete IANUS vom 27.10–28.10.2016 einen zweitägigen Workshop. 14 ExpertINNen aus der Denkmalpflege, außeruniversitären Forschung und Universitäten bzw. Hochschulen folgten der Einladung von IANUS. Unter der Anleitung eines professionellen Moderators, Thomas Egle, wurden im direkten Austausch gemeinsam Vorschläge diskutiertet und neue Empfehlungen formuliert.


© IANUS | Thomas Egle (Photograph) |Gruppenfoto | DAI Berlin, Wiegandhaus

Thema: Best-Practices bei der digitalen Dokumentation archäologischer Ausgrabungen

Die Dokumentation archäologischer Ausgrabungen mit ihren Funden und Befunden ist ein komplexer und vielschichtiger Vorgang, der von Projekt zu Projekt bzw. von Institution zu Institution sehr unterschiedlich ausgeführt wird. Zwar existieren einerseits Studiengänge wie Grabungstechnik und Dokumentationswesen, in denen Best-Practices und Standards vermittelt werden, und andererseits auf der Ebene der Kommunen und Länder verschiedene vorgegebene Qualitätskriterien an eine adäquate archäologische Grabungsdokumentation, doch sind diese Informationen nicht in allen archäologischen Projekten bekannt oder werden nicht umgesetzt.
Auf dem Workshop wurden daher die relevanten methodischen und technischen Arbeitsprozesse (z.B. zeichnerische und photographische Dokumentation, Funderfassung und -analyse, Einsatz von Datenbanken und GIS, Laserscanning etc.) identifiziert und entsprechende Empfehlungen für eine nachhaltige Datenerhebung und -prozessierung im Kontext von Ausgrabungen formuliert.

Anhand der im Vorfeld des Workshops erfolgten Rückmeldungen der eingeladenen ExpertINNen und der Community sowie aufgrund der bereits existierenden Inhalte in den IT-Empfehlungen von IANUS wurden die folgenden fünf Themenfelder in Gruppen behandelt:

1. Umfang & Inhalt einer vollständigen Grabungsdokumentation

Es soll geklärt werden, was zu einer vollständigen Dokumentation eines abgeschlossenen Grabungsprojektes gehört und was nicht dazu gehört, d.h. welche Daten am Ende einer archäologsichen Untersuchung aussondiert bzw. gelöscht werden können und welche nicht. Dabei sollte primär nicht zwischen digitalen und analogen Informationen unterschieden werden, sondern die Gesamtheit der Dokumentation betrachtet werden. Da der Umfang und die Art der Dokumentation maßgeblich von der Forschungsfrage und dem Ziel einer Ausgrabung abhängt, ist die Berücksichtigung verschiedener Methoden im Kontext der Grabungsdokumentation notwendig.
  • Denken Sie an eine abgeschlossene archäologische Untersuchung. Welche Dokumente müssen am Ende vorliegen, welche kann es zusätzlich geben?
  • Denken Sie an Zwischenergebnisse und Arbeitsdaten. Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit diese entweder gelöscht oder aufbewahrt werden können?
  • Wenn es sowohl eine analoge als auch eine digitale Dokumentation gibt: Wie soll das Verhältnis zwischen beiden Dokumentationsarten beschrieben werden?
  • Bei Ausgrabungen kommen unterschiedliche Methoden und Arbeitsweisen zum Einsatz. Welche sind besonders relevant und müssen hinsichtlich der digitalen Daten besonders berücksichtigt werden?

2. Ideal Dateiablage & Ordnerstrukturierung

Beschreibung einer oder mehrerer idealer bzw. bewährter (im Sinne von best practices) Strukturen zur Ablage, Organisation und Benennung von Ordnern und Dateien, die bei archäologischen Untersuchungen erzeugt werden. Eine solche Ordnerstruktur sollte insbesondere bei Abschluss eines Projektes oder einer Maßnahme vorliegen, auch wenn es im Arbeitsprozess davon Abweichungen geben kann (z.T. aufgrund mehrerer unterschiedlicher Bearbeiter, Aufteilung nach Jahren, usw.). Zu diskutieren sind insbesondere die Kriterien und Prinzipien, aus denen die Art der Datenorganisation abgeleitet werden können (z.B. nach Erstellungszeitpunkt, Methode, Urheber, Forschungsgegenstand, Datenprozessierung, ...).
  • Beschreiben Sie eine ideale Ablagestruktur zur Organisation von Ordnern und Dateien und formulieren Sie Benennungsregeln.
  • Daten können nach unterschiedlichen Leitgedanken und Grundprinzipien organisiert und hierarchisiert werden. Welche Kriterien sollten dabei primär und sekundär bestimmend sein?
  • Angenommen eine Grabungsdokumentation steht zu einer übergeordneten Projekt-, Amts- und/oder Institutssystematik in Bezug. Wie kann dieser Bezug in der Datenorganisation festgehalten werden?
  • Wie lassen sich Daten organisieren, damit die methodenspezifischen Arbeitsprozesse nachvollziehbar bleiben?

3. Plan zum Management von Grabungsdaten

Angelehnt an den Datenmanagementplan soll ein Grabungsdatenmanagementplan erstellt werden, der diesen für Grabungsprojekte spezifiziert und konkretisiert und mit bereits vorhandenen Inhalten in den IT-Empfehlungen verzahnt werden kann. Ein Grabungsdatenmanagementplan soll nicht alle einzelnen Aspekte tiefgehend diskutieren, sondern lediglich die Punkte auflisten, auf die bei dem Umgang mit den Daten und der Dokumentation geachtet werden müssen und mit denen man sich vor, während und nach einer archäologischen Maßnahme auseinandersetzen sollte. Inwieweit eine solche Präzisierung notwendig oder sinnvoll ist, oder ob nicht der bereits existierende Datenmanagementplan von IANUS oder andere Ratgeber ausreichen, muss diskutiert werden. Dabei ist die Situation bei Ausgrabungen der Bodendenkmalämter vermutlich anders zu bewerten als bei internationalen Forschungsprojekten.
  • Welche Aufgaben im Bezug auf die Grabungsdokumentation und Grabungsdaten sind vor, nach und während einer archäologischen Untersuchung zu beachten?
  • Wenn Sie an einen GDMP denken, welche Aspekte und Tätigkeiten soll dieser thematisieren?
  • Welche Hinweise zur praktischen Umsetzung eines nachhaltigen Managements von Grabungsdaten soll ein GDMP enthalten?
  • In einem GDMP werden auch Verantwortlichkeiten und Rollen von Personen definiert. Welche sollten auf jeden Fall in einem GDMP beschrieben werden?

4. Einheitliche Beschreibung von Grabungsdaten und -prozessen

Festlegung übergeordneter, einheitlicher Metadaten, die zur Beschreibung einer Grabungsdokumentation bzw. eines Grabungsprozesses als Ganzes notwendig und sinnvoll sind. Im Sinne eines “archäologischen Beipackzettels” kann dies sowohl die Nachnutzbarkeit und das Verständnis für die Daten erhöhen als auch die Vergleichbarkeit steigern, wenn alle Daten (entweder in ihrer Gesamtheit oder als Einzeldokumente) zu archäologischen Untersuchungen durch den gleichen Satz an Metadaten beschrieben werden. Dabei geht es um die allgemeinen Metadaten für die gesamte Grabungsdokumentation und nicht um detaillierte Angaben für Dateitypen oder bestimmte Methoden, welche teilweise in anderen Kapiteln der IT-Empfehlungen bereits behandelt werden.
  • Denken Sie an unterschiedliche Entitäten wie z.B. die Grabungsdokumentation als Ganzes, die Methodik der Ausgrabung, die archäologische Untersuchung, den historischen Befund bzw. die Fundstelle. Welche Metadaten sind für welche Entität erforderlich?
  • Für Metadaten besitzen normierte Vokabulare eine große Bedeutung. Für welche Angaben wären gemeinsame Vokabulare besonders sinnvoll, wo kann man auf einheitliche Begriffe verzichten?
  • Inwieweit sind die Metadaten von IANUS zur Beschreibung von archäologischen Datensammlungen und des in England entwickelten OASIS-Standards (Online AccesS to the Index of archaeological investigationS) zur Beschreibung von Grabungsdaten nutzbar? Was fehlt noch?
  • Welche anderen (etablierten) Metadaten-Schemata existieren und sind für diesen Zweck geeignet?

5. Checklisten, Formulare für Protokolle, Vorlagen für Log-Dateien und andere ergänzende Materialien

In den IT-Empfehlungen sind ergänzende Materialien, wie Checklisten, Formulare für Datenprotokolle oder Vorlagen für Log-Dateien vorgesehen. Zu klären ist, ob und wenn ja für welchen Arbeitsprozess bzw. für welche Methode weitere solcher Materialien sinnvoll wären. Welche Form sollten diese dann jeweils haben und welche davon werden dringender benötigt als andere. Sollten diese als Ergänzung zu einzelnen (ggf. noch zu verfassenden) Forschungsmethoden konzipiert werden oder als Ergänzung zu dem Kapitel “Digitale Dokumentation archäologischer Grabungen”.
  • Bei Ausgrabungen kommen verschiedene Arbeitsprozesse und Methoden zum Einsatz. In welchem Fall werden welche zusätzlichen Materialien zur Dokumentation (z.B. Checkliste / Formulare für Protokolle / Vorlagen für Log-Dateien) benötigt?
  • Welche Form sollen diese ergänzenden Materialien im Einzelnen aufweisen?
  • Welche ergänzenden Materialien gibt es bereits, die in den IT-Empfehlungen aufgenommen werden können?
  • Wenn Sie die ergänzenden Materialien nutzen wollen. Welche Dokumente würden Sie eher bei einzelnen Forschungsmethoden suchen und welche bei dem neuen Kapitel “Digitale Dokumentation archäologischer Grabungen” erwarten?


© IANUS | Thomas Egle (Photograph) | Arbeitsgruppen | DAI Berlin, Wiegandhaus

Ergebnisse

Die erarbeiteten Texte werden zur Zeit redaktionell überarbeitet und die ersten Ergebnisse voraussichtlich schon bis zum Ende des Jahres in den IT-Empfehlungen veröffentlicht. Durch die dauerhafte Zitierbarkeit mittels DOI können die beteiligten Autoren/innen ihre Mitarbeit an diesen Beiträgen als Publikationsleistung verzeichnen.

Veranstaltungsort

Deutsches Archäologisches Institut
Wiegandhaus
Podbielskiallee 69-71
14195 Berlin-Dahlem

Weitere Informationen

Aktuelle Informationen zu dem Workshop werden wir auf dieser Seite veröffentlichen. Rückfragen per E-Mail () oder Telefon (030 / 187711-359) werden jederzeit gerne beantwortet.

Workshop_Ablauf_Final.pdf (179,568 KB) Esther Schneidenbach, 10.11.2016 14:57

 
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