Projektübersicht

Ausgangslage - Stand der Forschung

Die altertumswissenschaftliche Forschung umfasst heute ein breites Spektrum von Spezialdisziplinen, die von der Archäologie, über die Philologien und Alte Geschichte bis zu Disziplinen wie Archäometrie, Archäozoologie und Archäoinformatik reichen. Diese und weitere relevante Disziplinen sind, da sie z.B. in Feldforschungsprojekten und Texteditionen entweder Primärdaten generieren oder aber komplexe rechnergestützte Auswertungen verwenden, von jeher in besonderem Maße auf eine sorgfältige Dokumentation und visuelle Veranschaulichung ihrer Forschungsobjekte und Forschungsergebnisse angewiesen. Waren dies noch bis vor wenigen Jahrzehnten ausschließlich Gipsabgüsse und Gipsabklatsche, Zeichnungen, Fotografien und analoge Publikationen, geschieht dies heute überwiegend in Form digitaler Objekt- und Raumdaten, oft in lokalen geographischen Informationssystemen (GIS) vernetzt, statistischen Untersuchungen, 2D- und 3D-Rekonstruktionen. Diese tiefgreifenden Veränderungen werfen gerade für die Altertumswissenschaften nicht zuletzt dadurch Probleme auf, dass im Vorgang der Ausgrabung antike Befundsituationen irreversibel zerstört werden und somit die Dokumentation der Grabung zu einer einmaligen Primärquelle wird, die ihre Gültigkeit nie verliert. Aus diesem Grund sind die Altertumswissenschaften in besonderem Maße auf eine umfassende Dokumentation aller Arbeitsschritte und eine nachhaltigen Sicherung der Forschungsdaten angewiesen, was bei digitalen Daten eine besondere Brisanz besitzt.
In der aktuellen altertumswissenschaftlichen Forschung werden zudem immer komplexere Fragestellungen kultureller und gesellschaftlicher Dynamiken untersucht, so dass viele Disziplinen mit sehr unterschiedlichen Qualitäten und Quantitäten von Rohdaten und Informationen zusammenarbeiten und diese zur Beantwortung der Ausgangsfragen verknüpfen müssen. Dabei spielt auch die Vernetzung mit früher erfassten, analogen Daten eine immer größere Rolle.
Für die stark anwachsenden digitalen Datenbestände, die zunehmend den Arbeitsalltag eines jeden Altertumswissenschaftlers prägen, fehlen jedoch fachspezifische Lösungen, die ihre analytische Durchdringung, kurz- und mittelfristige Sicherung, projektübergreifende Vernetzung und ihre Verfügbarkeit im www adressieren. Man kann dies etwa an der Diskrepanz zwischen Datenhaltung und -auswertung beobachten. Für die von der Retrodigitalisierung erfassten Bereiche (Bibliotheken, Archive, Stichwerke, Fotografien) gibt es inzwischen einen hohen Bestand an im www zugänglichen Daten, während die Entwicklung von Auswertungswerkzeugen, die etwa Textmining betreffen oder Semantic Web-Strategien folgen, in ihrer Verwendung in den Altertumswissenschaften noch am Anfang stehen. Daraus resultieren Defizite bei der rechnergestützten Auswertung im Bereich der hermeneutischen Wissenschaftsfelder. Umgekehrt ist weltweit zu beobachten, dass rechnergestützte Analyseprozesse sich vor allem im Bereich der Quantifizierung hoch entwickelt haben, wovon in den Archäologien insbesondere der GIS-Bereich profitiert hat. (Siehe die Beiträge in den Proceedings zur Konferenzreihe CAA - Computers Applications and Quantitive Methods in Archaeology) Gleichzeitig sind Basisdaten international wegweisender GIS-Analysen der deutschen Forschung für eine Nutzung in anderen Fragezusammenhängen bislang noch selten über das www verfügbar.

 
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