3D und Virtual Reality - Praxis

Im Umgang mit 3D-Inhalten m√ľssen in der Praxis einige Details beachtet werden. Dazu geh√∂ren die Hinweise aus der Londoner Charta und dass bei der Konvertierung von einem Format in ein anderes Informationsverlust auftreten kann. Die Weitergabe von 3D-Modellen kann mittels verschiedenen Portalen oder auch mit 3D-PDF erfolgen, deren Erstellung in diesem Abschnitt erl√§utert wird.

London Charter

Die Londoner Charta wurde 2006 ins Leben gerufen, um die digitale Visualisierung von Kulturgut so intellektuell und technisch rigoros wie andere etablierte Forschungsmethoden zu machen. Die Londoner Charta strebt danach, strenge Regeln im Umgang mit computergest√ľtzten Visualisierungsmethoden zu definieren. Es gibt sechs Leits√§tze:

  • Leitsatz 1 adressiert den Umgang mit der Londoner Charta.
  • Leitsatz 2, Ziele und Methoden, regt dazu an, dar√ľber nachzudenken, ob die computergest√ľtzte Visualisierungsmethode auch die geeignetste verf√ľgbare Methode f√ľr den gew√ľnschten Zweck ist.
  • Leitsatz 3, Forschungsquellen, thematisiert die Auswahl und Dokumentation des Quellmaterials f√ľr eine Visualisierung.
  • Leitsatz 4, Dokumentation, gibt wertvolle Hinweise dar√ľber, was bei dem Entstehungsprozess des 3D-Inhaltes alles dokumentiert werden sollte, um das Verstehen und den Umgang mit den Inhalten zu erleichtern.
  • Leitsatz 5, Nachhaltigkeit, behandelt die langfristige Zukunftsf√§higkeit und vor allem die langfristige Benutzbarkeit von 3D-Inhalten.
  • Leitsatz 6 thematisiert einen wichtigen Aspekt im Umgang mit Kulturg√ľtern, n√§mlich den Zugang zum Kulturgut mittels computergest√ľtzten Visualisierungen. Auch der Zugang zu den Visualisierungen selbst wird besprochen.

Konvertierung

In dem Abschnitt Vertiefung wurden die Speichereigenschaften von verschiedenen 3D-Formaten besprochen und in der Tabelle zusammengefasst. Die Speichereigenschaften spielen insbesondere dann eine Rolle, wenn von einem Format in ein anderes konvertiert werden muss, um beispielsweise von einem proprietären Format verlustfrei zu einem langzeitarchivfähigen offenen Format zu gelangen.

Wenn die Software, mit der das 3D-Objekt erstellt wurde, einen Export in eines der hier empfohlenen Formate zul√§sst, so ist diese Variante vorzuziehen. In manchen F√§llen kann es jedoch sein, dass das gew√ľnschte Zielformat nicht unterst√ľtzt wird und zun√§chst ein Export in ein Zwischenformat vorgenommen werden muss, welches anschlie√üend mit einem weiteren Programm in das Zielformat √ľberf√ľhrt werden kann. Soll beispielsweise ein 3D-Objekt aus Blender in ein 3D-PDF integriert werden, k√∂nnte dieses etwa im OBJ-Format gespeichert werden und anschlie√üend mit MeshLab in U3D konvertiert werden. Mit der ConversionSoftwareRegistry k√∂nnen Programme gefunden werden, die von einem Format in ein anderes konvertieren k√∂nnen, wobei eventuelle Zwischenformate auch ber√ľcksichtigt werden. F√ľr die Konvertierung von umfangreichen 3D-Inhalten gibt es auch spezialisierte kommerzielle Programme, wie beispielsweise Polytrans und NuGraph der Firma Okino.

Weitergabe von 3D-Modellen

Die Weitergabe von 3D-Modellen kann √ľber das Internet erfolgen. Dazu gibt es eigene Dienste, wie beispielsweise Sketchfab, wo 3D-Modelle hochgeladen, ver√∂ffentlicht und visualisiert werden k√∂nnen. Zus√§tzlich kann der Inhalt von Sketchfab auch in andere Webseiten eingebettet werden.

Eine weniger kommerzielle Alternative stellt die Plattform 3DHOP (3D Heritage Online Presenter) dar, die von CNR-ISTI entwickelt wurde und frei zur Verf√ľgung gestellt wird. Der Viewer verwendet ein eigenes Format (Nexus), wodurch auch gro√üe Modelle effizient dargestellt werden k√∂nnen.

Eine weitere M√∂glichkeit, um 3D-Modelle unkompliziert mit Dritten zu teilen, ist die Einbettung in ein 3D-PDF. Dabei k√∂nnen neben dem eigentlichen Modell zus√§tzliche Informationen in Form von Text, Bildern und Links eingef√ľgt werden. Zus√§tzliche Programme zur Betrachtung des 3D-PDFs sind in der Regel nicht notwendig, da diese Funktion in Adobe Reader bereits integriert ist und dieser eine breite Anwenderbasis hat. Im Reader k√∂nnen Annotations- und Messwerkzeuge verwendet werden, um Strecken, Radien und Winkel an dem Modell auszumessen.

Ein 3D-PDF kann am komfortabelsten mit Adobe Acrobat Pro erstellt werden. Dabei muss das Modell bereits im U3D-Format vorliegen, welches √ľber "Werkzeuge > Multimedia > 3D-Werkzeug" in das zu erstellende PDF eingef√ľgt werden kann. Die Firma tetra4D arbeitet eng mit Adobe zusammen und bietet neben dem Programm 3DPDF Converter eine Reihe an Plugins f√ľr professionelle 3D-Software wie AutoCAD oder Maya an. Eine g√ľnstigere Alternative bieten die Produkte von PDF3D. Freie Alternativen gibt zurzeit es wenige und auch nur mit eingeschr√§nktem Umfang. Ein Beispiel w√§re CutePDF.

Problematisch ist dabei aber, dass 3D-PDFs aktuell nur mit dem Adobe Reader betrachtet werden k√∂nnen und das Programm aktuell nur f√ľr Windows, Mac und Android angeboten wird. Alternativen f√ľr Linux fehlen im Moment noch. Bedacht werden muss auch, dass gro√üe Modelle viel Arbeitsspeicher ben√∂tigen, der nicht auf jedem System vorhanden ist.

Letzte Änderung: 21. November 2016