GIS - Praxis

Einsatz von Hard- und Software in der Praxis

Die Software eines GIS setzt sich aus zwei Hauptbestandteilen zusammen. Erster Bestandteil ist ein Datenbankprogramm fuŐąr die Verwaltung der Sachdaten. H√§ufig wird fuŐąr diese Arbeit auf spezielle Datenbanksoftware zuruŐąckgegriffen (MS Access, FileMaker, MySQL). Den zweiten Teil bilden spezielle GISProgramme wie ArcView, Manifold, MapInfo, QunatumGIS, SAGA, gvSIG oder GRASS. Derartige Programme erm√∂glichen es, die Daten in ihrem r√§umlichen Bezug zu analysieren und deren Strukturen zu visualisieren. Die graphische Funktionalit√§t der GIS-Programme, er√∂ffnet fuŐąr die Erstellung thematischer Karten vielf√§ltige M√∂glichkeiten. Der gro√üe Vorteil von GIS-Programmen sind deren Werkzeuge zur Analyse raumbezogener Daten. Durch die M√∂glichkeiten der Visualisierung, der Herstellung von Karten, lassen sich viele Fragen auf eine empirische Weise verfolgen. Es ist es jedoch unverzichtbar, dass der Visualisierung eine Analyse folgt, mit der gepruŐąft wird, inwieweit die herausgearbeiteten Unterschiede oder Gemeinsamkeiten bedeutsam sind. Die analytischen Werkzeuge erm√∂glichen einfache Abfragen, die Berechnung von Vektor- und Rasterfl√§chen bis zu komplexen statistischen Operationen. Spezielle GIS-Programme enthalten daneben auch Bausteine, mit denen Datenbanken erstellt und verwaltet werden k√∂nnen. Meist wird man aber auf spezielle Datenbanksoftware zuruŐąckgreifen.

In der Praxis werden h√§ufig Grabungszeichnungen in AutoCAD erzeugt und dann als DXF-Datei in das GIS importiert und mit den vorhandenen Sachdaten zusammengefuŐągt. Ein weiteres klassisches Anwendungsbeispiel fuŐąr ein vektorbasiertes GIS ist ein digitales Landschaftsmodell, in dem Stra√üen, Waldfl√§chen, uŐąberbaute Fl√§chen u.a. enthalten sind. Der Vorteil liegt darin, dass jedem dieser Objekte Zusatzinformationen zugewiesen werden k√∂nnen (Breite einer Stra√üe, Belag, Steigung usw.).

Besondere Aufmerksamkeit ist bei der Planung von GIS-Vorhaben dem Einsatz der entsprechenden Software zu widmen. In den zur√ľckliegenden Jahren sind leistungsf√§hige OpenSource-Programme entwickelt worden, die nahezu alle Anwendungsgebiete abdecken. Dabei ist zu bedenken, dass die hohen Kosten kommerzieller GIS-Software ihrem Einsatz bislang Grenzen gesetzt haben. An Universit√§ten stehen die Programme h√§ufig nur in den PC-Pools der Rechenzentren oder aber auf einigen Rechner zur VerfuŐągung. FuŐąr weit vernetzte, internationale Forschungsvorhaben ist dieser Umstand von erheblichen Nachteil. Eine besondere Empfehlung unter den neu aufkommenden leistungsf√§higen OpenSource-Programme verdient die spanische GIS-Software gvSIG, die plattformuŐąbergreifend auf Windows-, Linux- und Mac-Bertriebssystemen eingesetzt werden kann.

Die eingesparten Kosten lassen sich zukuŐąnftig effektiver durch die gezielte Anpassung der Software an die spezifischen Projektanforderungen einsetzen oder aber f√ľr Schulungen.

Ausgrabungen und GIS

Die ersten Anwendungen zur Digitalisierung von Grabungsdaten basierten auf der Konstruktionssoftware AutoCAD. Diese Versuche reichen bis in die fr√ľhen 90er Jahre zuruŐąck.

Die VorzuŐąge dieser Werkzeuge kamen bei der Herstellung und Vorlage digitaler Planzeichnungen zum Tragen. Nachteilig ist die umst√§ndliche Einbindung von Datenbanken und das weitgehende Fehlen von Werkzeugen fuŐąr die Analyse von Raumstrukturen.

Die Vorz√ľge eines GIS bei der DurchfuŐąhrung und Auswertung einer Ausgrabung liegen auf der Hand. Nahezu alle auf einer Ausgrabung gewonnenen Informationen haben einen Raumbezug. Viele der Sachdaten sind in Datenbanken zu verwalten, wie Funddaten, Vermessungsdaten, Schichtbeschreibungen usw. Die Form, Ausdehnung und Lage der Befunde und Architekturreste lassen sich durch geometrische Daten eines GIS abbilden. Die reine graphische Dokumentation ist auch mit einer Software wie AutoCAD m√∂glich, nur bieten derartige Programme standardm√§√üig keine Werkzeuge, mit denen sich bspw. Fl√§chengr√∂√üen und Mittelpunkte von Fl√§chenobjekten berechnen lassen. Das GIS er√∂ffnet daruŐąber hinaus die M√∂glichkeit Verteilungen zu vergleichen, Fl√§chen zu verschneiden etc. Bliebe man bei der digitalen Umsetzung der konventionellen Grabungspl√§ne, w√§re ein Programm wie AutoCAD ausreichend. Folgerichtig wird AutoCAD bei Ausgrabungen da eingesetzt, wo das besondere Augenmerk auf der Dokumentation liegt. Bew√§hrt haben sich speziell f√ľr AutoCAD entwickelte Werkzeuge, wie das Programm TachyCAD von der Firma Kubit oder das Programm Arch√§oCAD der Firma ArcTron. Mit diesen L√∂sungen lassen sich mittels einer Totalstation auf Ausgrabungen Befunde einmessen. Computer und Totalstation sind auf der Grabung miteinander verbunden. Die Daten werden direkt ins AutoCAD eingelesen. Sp√§ter lassen sich die Daten problemlos in ein GIS exportieren. Das g√§ngige Austauschformat ist DXF/DWG.

Ein weiteres AutoCAD-Werkzeug der Firma Kubit ist Photoplan, mit dem sich Grabungsbefunde photogrammetrisch dokumentieren lassen. Diese Arbeitschritte lie√üen sich auch mit einer GIS-L√∂sung ohne AutoCAD realisieren. Nach unseren Erfahrungen sind diese Programmbestandteile jedoch nicht so anwenderfreundlich. In der Regel wird man bei der Wahl der Software nicht allein das nach den theoretischen Leistungsparametern beste Programm w√§hlen, sondern diejenigen Programme bevorzugen, fuŐąr die ein guter Ausbildungsstand vorhanden ist und kompetente Ansprechpartner fuŐąr die Diskussion von Problemen zur VerfuŐągung stehen. Zudem hat sich herausgestellt, dass keines der angebotenen GIS-Programme alle ben√∂tigten Rechenverfahren gleich oder in gleicher Anwenderfreundlichkeit zur VerfuŐągung stellt. H√§ufig ist es daher - je nach Fragestellung - sinnvoll oder unumg√§nglich, dass verschiedene GIS-Programme zum Einsatz kommen. Den Vorzug sollten zukuŐąnftig mehr und mehr OpenSource-L√∂sungen erhalten.

Letzte Änderung: 17. Februar 2014