Strukturierung von Metadaten

Die Struktur und der Umfang von Metadaten sind wesentliche Faktoren, um diese sinnvoll nutzen zu k├Ânnen. Die Art und Weise, wie die verschiedenen Informationen erfasst und organisiert werden, spielen dabei eine zentrale Rolle, ob sie von einer unbeteiligten dritten Person richtig verstanden werden und ob die Angaben automatisiert verarbeitet werden k├Ânnen.

Um die Struktur und den Umfang von Metadaten verbindlich zu beschreiben und vorzugeben, werden Metadatenschemata verwendet. Ein Metadatenschema gibt den Inhalt und die Gliederung von Metadaten vor, also die zu verwendenden Metadaten-Kategorien. Beispielsweise kann eine Publikation mit den Attributen Autor - Jahr - Titel - Reihe - Verlag - Erscheinungsort und Schlagworte beschrieben werden, die dann mit den entsprechenden Informationen gef├╝llt werden. Diese Minimalbeschreibung kann je nach Anforderungen erweitert werden, etwa um die Elemente Sprache - Seitenzahl - Abbildungszahl - Auflage und ISBN-Nummer.

In einem Metadatenschema wird zudem f├╝r einzelne Informationen die Genauigkeit (die Granularit├Ąt) der erwarteten Information festgelegt, also ob beispielsweise f├╝r das Attribut "Autor" eine freie Texteingabe ausreichend ist oder ob eine Aufteilung in die Teilattribute Anrede - Titel - Vorname(n) und Nachname sowie eine Referenz zu einer Personennormdatei erforderlich ist.

F├╝r den Austausch von Metadaten zwischen verschiedenen technischen Systemen besitzen die zugrunde liegenden Schemata eine zentrale Bedeutung. Sollen Informationen aus unterschiedlichen Quellen miteinander in Beziehung gesetzt werden, so dass sie gemeinsam ausgewertet werden k├Ânnen, m├╝ssen die jeweils eingetragenen Werte auf der Ebene ihrer semantischen Bedeutung miteinander verkn├╝pft und abgeglichen werden. Das hei├čt, dass neben dem eigentlichen Wert (z. B. die Zeichenkette "Pompeji") auch das Attribut angegeben werden muss, also die Eigenschaft, die durch den Wert beschrieben wird (z. B. "Fundort", "Aufbewahrungsort" oder "Publikationsort").

F├╝r viele Bereiche, wie etwa Medienarchive, Bibliotheken oder Museen, gibt es langj├Ąhrige Erfahrungen im Umgang mit Metadaten und es wurden spezifische Metadatenschemata entwickelt. Zu Beginn eines Projektes sollte gepr├╝ft werden, ob relevante Metadatenschemata bereits existieren oder sogar vorgegeben werden und bei der Erzeugung von eigenen Metadaten ber├╝cksichtigt werden sollten. Je internationaler und standardisierter ein verwendetes Schema ist, desto eher ist die Austauschbarkeit von Metadaten mit anderen Systemen gew├Ąhrleistet. Sofern sich unterschiedliche Metadaten auf ein gemeinsames Metadatenschema abbilden (mappen) lassen, k├Ânnen sie in ein drittes System importiert und dort gemeinsam ge├Âffnet werden.

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Die 15 Kernfelder von Dublin Core Version 1.1. (Grafik erstellt mit coggle.it.)
Die 15 Kernfelder von Dublin Core Version 1.1. (Grafik erstellt mit coggle.it.)
F├╝r deskriptive Metadaten ist das unter ISO 15836 zertifizierte Metadatenschema Dublin Core (in der nebenstehenden Abbildung) am weitesten verbreitet. Es verf├╝gt in der Version 1.1 ├╝ber folgende 15 Kernfelder: Title (Titel) - Creator (Ersteller) - Subject (Thema) - Description (Beschreibung) - Publisher (Verleger) - Contributor (Mitwirkender) - Date (Datum) - Type (Typ) - Format (Format) - Identifier (Identifikator) - Source (Quelle) - Language (Sprache) - Relation (Beziehung) - Coverage (Umfang) - Rights (Rechte).

Im Laufe der Jahre wurde dieses grundlegende Set noch erweitert. Das aktuelle Set, "The Dublin Core Metadata Initiative (DCMI) Metadata Terms", und die Beschreibung der einzelnen Attribute kann online abgerufen werden.

Eine besondere Relevanz im arch├Ąologischen und altertumswissenschaftlichen Kontext haben folgende Standards erlangt:

  • Online AccesS to the Index of archaeological investigationS (OASIS), ver├Âffentlicht von English Heritage. Es wurde f├╝r den Nachweis von arch├Ąologischen Projekten und Ma├čnahmen in Gro├čbritannien entwickelt. Das Schema liegt aktuell in Version 1.3 vor. Neben den in der untenstehenden Abbildung dargestellten f├╝nf Themenbereichen k├Ânnen auch weitere spezielle Angaben wie etwa zu Arealen, Geophysik, Geologie und Artefakten gemacht werden.

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    OASIS in Version 1.3. Neben den abgebildeten Themenbereichen sind auch Attribute f├╝r weitere spezialisiertere Informationen vorgesehen. (Grafik erstellt mit coggle.it.)
    OASIS in Version 1.3. Neben den abgebildeten Themenbereichen sind auch Attribute f├╝r weitere spezialisiertere Informationen vorgesehen. (Grafik erstellt mit coggle.it.)

     
  • Arch├Ąologischer DateneXport-Standard (ADeX), wurde von der "Kommission Arch├Ąologie und Informationssyteme" beim Verband der Landesarch├Ąologen entwickelt. Der Standard wurde f├╝r den Austausch arch├Ąologischer Fachdaten zwischen Landes├Ąmtern und anderen Institutionen erarbeitet. Die aktuelle in der Abbildung unten dargestellte Version ist 2.0, die auch den Austausch von komplexen Geometrien mittels externer Geometriedaten (SHP oder MIF) erm├Âglicht. ADeX ist bewusst als einfaches Austauschformat mit den Teilen "Generelles", "Georeferenz" und "Typ und Zeit" unter Ber├╝cksichtigung internationaler Standards, wie etwa CIDOC-CRM, gestaltet. Dies gew├Ąhrleistet eine hohe Austauschbarkeit.

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    ADeX in Version 2.0, das f├╝r eine hohe Kompatibilit├Ąt auf detailliete Informationen verzichtet. (Grafik erstellt mit coggle.it.)
    ADeX in Version 2.0, das f├╝r eine hohe Kompatibilit├Ąt auf detailliete Informationen verzichtet. (Grafik erstellt mit coggle.it.)
  • Connecting Archaeology and Architecture in Europeana (CARARE) in Version 2.0. Es wurde als arch├Ąologiespezifisches Datenmodell unter Ber├╝cksichtigung verschiedener europ├Ąischer Standards von Europeana und dem Project 3D-ICONS entwickelt. Die Abbildung unten verdeutlicht, dass in dem Schema Informationen zur Sammlung (Collection information), zum physischen Objekt (Heritage asset), zur digitalen Ressource (Digital resource) und zur Aktivit├Ąt (Activity) definiert werden.

    doku_CARARE-web.png

    CARARE 2.0. (Grafik erstellt mit coggle.it.)
    CARARE 2.0. (Grafik erstellt mit coggle.it.)

     
  • Das Metadatenschema von IANUS in der Abbildung unten wurde ebenfalls f├╝r Daten aus dem Bereich der Arch├Ąologien und Altertumswissenschaften entwickelt und orientiert sich an bereits vorhandenen Standards.

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    Eine vereinfachte Darstellung des Metadatenschemas von IANUS. (Grafik erstellt mit coggle.it.)
    Eine vereinfachte Darstellung des Metadatenschemas von IANUS. (Grafik erstellt mit coggle.it.)

Dar├╝berhinaus gibt es weitere internationale Standards und institutionelle Vorgaben:

  • CIDOC Conceptual Reference Modell (CIDOC CRM) wurde von der Arbeitsgruppe "Dokumentationsstandards" im Internationalen Komitee f├╝r Dokumentation (CIDOC) des internationalen Museumsverbandes (ICOM) erarbeitet. Es dient der Strukturierung und formalen Beschreibung von Informationen, Konzepten und Relationen im Bereich des Kulturerbes. Seit 2006 ist CIDOC CRM unter ISO 21127 standardisiert. F├╝r CIDOC-CRM gibt es zus├Ątzlich die im Rahmen von ARIADNE entwickelten Erweiterungen CRMarchaeo, CRMba, CRNdig und CRMgeo, die eine Relevanz f├╝r die Arch├Ąologie haben. Sie werden in dem Ariadne Reference Model zusammengefasst.
  • Das Lightweight Information Describing Objects (LIDO) wurde als Austauschformat f├╝r bewegliche Objekte in Museen von Arbeitsgruppen innerhalb von CIDOC entwickelt.
  • Historic Environment Records oder MIDAS Heritage aus Gro├čbritannien.
  • Vorgaben verschiedener Denkmal├Ąmter. Weitere Informationen dazu sind in dem Abschnitt Grabungsdokumentation zu finden.
     
Autoren: 

Bibby

David
Landesamt f├╝r Denkmalpflege Baden-W├╝rttemberg

Gerth

Philipp
DAI

Heinrich

Maurice
DAI - IANUS

Jahn

Sabine
ehemals DAI - IANUS

Ludwig

Bernhard
DAI Istanbul

Posluschny

Axel
Keltenwelt am Glauberg

Siegloff

Eicke
Arch├Ąologisches Landesamt Schleswig-Holstein

Sieverling

Anne
DAI - IANUS

Trognitz

Martina
DAI - IANUS

Letzte Änderung: 18. November 2017